Heinz Volk,  München
FvB-Reise Ostkanada – ein voller Erfolg!

 


Die seit 2000 traditionelle FvB-Sammlerreise führte uns dieses Jahr, vom 22.05.–01.06., in den Ostteil Kanadas. Die Hauptziele waren die größeren Städte Montréal, Québec, Ottawa und Toronto. Auch bei dieser Tour fehlte wieder nicht ein Highlight im Welttourismus. Wie letztes Jahr die Große Mauer in China, waren es diesmal die Niagara-Fälle, weltweit wohl die berühmtesten Wasserfälle.
Am Beginn wurden wir in Montréal von ungemütlichen 8°C empfangen, die sich durch den Wind noch viel kälter anfühlten und die unerbittliche Kälte der dortigen Winter erahnen ließ. Doch das Wetter
besserte sich zusehends, ein paar Regentropfen anfangs störten kaum. Auch die Temperaturen bewegten sich ständig aufwärts, so dass wir am Schluss in Toronto bei 33°C schon um jede Abkühlung froh waren. Bei der Bootsfahrt durch die Gischt der Niagara-Fälle waren diese Temperaturen jedoch gerade richtig!

Durch die sachkundigen Ausführungen unserer Reiseleiterin Frau Inge Schmalz, in Toronto lebende gebürtige Deutsche, bekamen wir vor allem die noch junge Geschichte des Staates Kanada und der besuchten Regionen anschaulich dargelegt. Auch Land und Leute wurden uns stets während der Busfahrten näher geschildert. So hat Kanada die  zweitgrößte Fläche der Erde (nach Russland) bei einer Bevölkerung von gut 32 Millionen. Das Land ist in zehn Provinzen (wie unsere Bundesländer) und drei Territorien aufgeteilt. Unser Besuch erstreckte sich nur auf die zwei östlichen Provinzen Québec und Ontario mit ihren Hauptstädten Québec und Toronto. Die Provinz Ontario beherbergt außerdem noch die Landeshauptstadt Ottawa.
In Montréal, mit 3,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes, beeindruckte uns u.a. die Basilika Notre-Dame in der Altstadt (dem Pariser Vorbild nachempfunden) mit Inneneinrichtungen vollständig aus Holz. Bei der anschließenden Fahrt zu einer der Inseln im Sankt-Lorenz-Strom, der Ile Notre-Dame, befuhren wir auch ein Stück der bekannten Formel-1-Rennstrecke.
Den Höhepunkt in Montréal bildete im wahrsten Sinne des Wortes der Besuch des Berges Mont Royal (Bild), dem die Stadt zu Füßen liegt und der auch ihr Namensgeber war. Im Jahr 1535 hat der Seefahrer Jacques Cartier, der im Auftrag des französischen Königs den Sankt-Lorenz-Strom auf der Suche nach einer West-Passage hinaufsegelte, dieser Erhebung wegen ihrer außergewöhnlichen Lage den Namen „Mont Réal“ gegeben.
Am Nachmittag stand dann unser erster Brauerei-Besuch auf dem Programm, und zwar bei der Regional-Brauerei Mc Auslan (Bild unten rechts).


         Brasserie „Brutopia“ in der Guy Street                                        Montréal: Mc Auslan

Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag Richtung Québec besichtigten wir noch das Olympia-Gelände außerhalb Montréals (Bild), wo der 175 m hohe massive und impossante „Schrägturm“ über dem Stadion die ganze Szenerie beherrscht.
Unsere weitere Route führte meist nördlich den mächtigen Sankt-Lorenz-Strom entlang, mit einem Stopp  im Städtchen Trois-Rivières. Die Hoffnung, in der dortigen Gasthaus-Brauerei
fündig zu werden, erfüllte sich glücklicherweise (Bild unten links).


               Trois-Rivières: Chez Gambrinus                                            Québec: La Barberie

Die Stadt Québec (ca. 700 000 Einwohner) hebt sich in vieler Hinsicht von den anderen kanadischen Großstädten ab und wirkt direkt europäisch, von einem mächtigen Gebäude in Form einer Burg (Hotel der Fairmont-Kette) überragt und z.T. noch mit einer Stadtmauer umgeben – eine absolute Ausnahme hier! Ihr Name bedeutet in der Indianersprache „engste Stelle des Flusses“, mit 1700 m allerdings immer noch enorm breit.
Neben einer Führung hatten wir an zwei Tagen auch ausgiebig Zeit, Québec auf eigene Faust zu erkunden, ebenfalls ein Highlight der Reise (Bild).
Weiterhin besuchten wir in einem Naturpark die mit 84 m Höhe gar nicht so bescheidenen Montmorency-Wasserfälle, die in manchen Wintern schon nahezu zugefroren waren. Mittags legten wir den Besuch der Micro-Brauerei „La Barberie“ ein (Bild rechts oben).
Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise zum nächsten Ziel Ottawa fort. Diesmal verlief die Route südlich des Sankt-Lorenz-Stromes zurück erst mal Richtung Montréal. Nachdem wir kurz hinter Québec noch die Chaudière-Wasserfälle (mit darüberführender Hängebrücke) besichtigten, statteten wir ca. 80 km vor Ottawa dem Omega-Tierpark Montebello einen Besuch ab (Bild). Dabei bekommt man – jedoch nur vom Bus aus – viele der Wildtiere Kanadas, auch Wölfe und Bären, zu sehen. Manche der schlanken und Pflanzen fressenden Tiere wiederum waren so zutraulich, dass sie sogar den Kopf zum Füttern in den Bus steckten.
In Ottawa, Hauptstadt Kanadas mit 1,1 Millionen Einwohnern, bezogen wir im Vorort Hull Quartier.  Das hier angesiedelte Museum der kanadischen Zivilisationen („Musée canadien des civilisations“) bietet mit seinen Ausstellungen und Dokumentationen einen sehr guten Überblick der Entwicklung Kanadas und seiner Besiedlungen praktisch von der Urzeit an.
Die Stadtrundfahrt am nächsten Tag führte uns zunächst in gepflegte Viertel und an Botschaften und schönen Parkanlagen vorbei. Auf einer Ausfallstraße bot sich uns das Schauspiel einer nicht enden wollenden Schlange von vielen Tausend Motorrädern, meist Harley Davidson, die uns entgegen kamen. Wir waren direkt gezwungen den Bus zu stoppen, auch auszusteigen und mit den anderen Leuten am Straßenrand den Fahrern zuzuwinken. Diese demonstrierten für eine Gesundheits- maßnahme, wie wir später erfuhren.
Beim anschließenden Besuch des Parlamentgebäudes (Bild) waren wir beeindruckt von seiner Architektur und Einrichtung, alles britischer Tradition entsprechend. In den umgebenden Grünanlagen befinden sich verschiedene Denkmale, gekrönte und ungekrönte Häupter darstellend.
Die Weiterfahrt am nächsten Tag Richtung Toronto bot wieder zwei schöne Stopps. Zum einen die einstündige Bootsfahrt bei den „1000 Islands“, das sind in einer seenartigen Erweiterung des Sankt-Lorenz-Stromes viele kleine und kleinste Inseln (Bild), die teils zu Kanada und teils zu USA gehören. Zwei Inseln sind mit einer Brücke über die „Grenze“ verbunden, mit beidseitiger Beflaggung. Zum anderen noch ein  kürzerer Aufenthalt in der Kleinstadt Kingston am östlichen Ufer des Ontariosees, wo das Ambiente z.B. an ein oberitalienisches Seeufer erinnert.
Als wir gegen Abend in Toronto ankamen, konnten wir noch selbst etwas in dieser mit fast 5 Millionen Einwohnern größten Stadt Kanadas umherschweifen. Am nächsten Tag ging es zu den Niagara-Fällen. Die Route führte um das „Goldene Hufeisen“, das ist das westliche Ende des Ontariosees und hat den Namen von seiner Form und der dort durch die zentrale Lage und der Nähe zu den USA florierenden Wirtschaft. Wir legten noch einen Stopp in der durch ihre kleineren Häuser und reizenden Fassaden museumsartig anmutenden Kleinstadt Niagara-on-the-Lake ein, die auch durch internationale Tagungen bekannt ist.
Die Niagara-Fälle (Bild), der absolute touristische Höhepunkt der Reise, begeisterten auch dank traumhaften Wetters! Noch dazu, da sie von kanadischer Seite aus in ihrer Gesamtheit – kleinerer amerikanischer und größerer kanadischer Teil – sehr gut zu überschauen sind. Bei der Bootsfahrt konnten wir das Tosen der aus 54 m herabstürzenden, um diese Jahreszeit relativ großen Wassermassen mit der daraus entstehenden Gischt hautnah miterleben. Bei der Rückreise besuchten wir noch die nahe gelegene Micro-Brauerei „Niagara Falls Brewing“ (Bild unten links).


                       Niagara Falls Brewing                                             Toronto: Steam Whistle Brewing

Am vorletzten Tag der Reise absolvierten wir die noch ausstehende Stadtführung in Toronto. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum Kanadas und konnte im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre Vormachtstellung stetig weiter ausbauen. Viele Firmen zogen es vor, den separatistischen Bestrebungen in der Provinz Québec auszuweichen und ihren Sitz von Montréal nach Toronto zu verlegen; zudem ist die Lage zu den USA viel günstiger.
Besucht wurde zuerst das Parlament der Provinz Ontario (Bild), wie in Ottawa auch total britischer Tradition entsprechend. Das Gebäude fügt sich harmonisch in den umgebenden „Queen`s Park“ ein. Die anschließende Rundfahrt  führte uns durch einige Villenviertel sowie bessere Stadtteile, der relativ großen Chinatown und schließlich zur Innenstadt mit altem Rathaus.
Nach Erläuterungen zur City begaben wir uns zu einen neuen Einkaufszentrum, wo bereits bestehende Bauten mit in die Architektur des neuen Komplexes mit über- und unterirdische Passagen einbezogen wurden. Hier erlebt man zur Mittagszeit was Betriebsamkeit bedeutet! So wird von den Angeboten der vielen Schnellimbisse verschiedenster Nationalitäten im unterirdischen Bereich zum Lunch sehr lebhaft Gebrauch gemacht.
Den Abschluss des offiziellen Reiseprogramms bildete dann am frühen Nachmittag der Besuch der Micro-Brauerei „Steam Whistle Brewing“ (Bild oben rechts) nahe dem „CN-Tower“.
Der Besuch des CN-Towers, in seiner Art (freistehend) mit 553 m der höchste der Welt, war jedem selbst überlassen. Von seiner 346 m hohen Aussichtsplattform bot sich ein fantastischer Blick auf Stadt und Umland, der bei klarer Sicht bis zu den Niagara-Fällen gereicht hätte. Vom darunter liegenden „Glass Floor“ (342 m) konnte man fast senkrecht durch eine große Glasbodenplatte auf die direkte Umgebung des Turmes sehen, wie z. B. durch das gerade geöffnete Dach des „Sky Dome“, wo ein Baseball-Spiel bevorstand.
Zum Abschluss bleibt festzustellen, dass das, was die Reise so überaus erlebnisreich und interessant machte, nicht allein nur die „großen“ Sehenswürdigkeiten waren, sondern auch die vielen kleineren am Rande, die uns immer wieder überraschten. Die Reise hat sich also vom touristischen Standpunkt her betrachtet mehr als gelohnt!
Für die Freunde der Brauerei-Werbemittel und des Bieres bot sie überdies nicht vorhersehbare  und vielfältige Möglichkeiten. Die Reise enthielt zwar keine Besichtigungen von Großbrauereien, wie z.B. die der führenden Molson-Brauerei, die keinerlei Interesse an unserem Besuch zeigte, jedoch wurden wir durch die u.g. Braustätten, die gezielt angefahren wurden oder zufällig am Weg lagen, mehr als entschädigt.
Auch das kanadische Bier erwies sich als ausgesprochen passabel was den Geschmack betrifft, sogar in der Vielfalt seiner Sorten. Es ist deshalb überhaupt nicht übertrieben, Kanada ein Paradies für Biertrinker zu nennen, sieht man mal von den etwas höheren Preisen als bei uns ab. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Brauwesen in Kanada auch ausführlich dokumentiert ist, wie im Internet („www.beerme.com/breweries/ca/ qc /index.shtml“, „qc“ hier für die Provinz Québec usw.) und durch mancherorts ausliegende Magazine, wie z. B. „Le Sous-Verre“, BièreMag (zu deutsch „Der Bierdeckel“, Bier-Magazin).



FvB-Reisegruppe vor den Niagara-Wasserfällen
 

Folgende Braustätten wurden besucht:
1.) „BRASSERIE MC AUSLAN“ in Montréal; „Regional Brewery“, stellt für Kanada  neuere Biersorten her. Eintritt 5 kan. Dollar, Filmvortrag, ausreichende Probiermöglichkeiten (5 Sorten). Bierglas in typischer kurzer Becher-Form, mit ca. 0,5 ltr. Inhalt, konnte käuflich erworben werden.
2.) „Chez Gambrinus“ in Trois-Rivières; „Brewpub“, Bier nach Bezahlung (4 Sorten).
3.) „La Barberie“ in Québec; „Microbrewery“, Bier nach Bezahlung (8 Sorten, auch im „Karussell“).
4.) „Niagara Falls Brewing“; „Microbrewery“, Probiermöglichkeiten ausreichend (3 Sorten) .
5.) „STEAM WHISTLE BREWING“ in Toronto; „Microbrewery“ in einem alten Bahngebäude, deshalb der Name. Eintritt 8 kan. Dollar, ausreichend Bier (eine Sorte, Pils-ähnlich),  Führung, ein Glas und  Flaschenöffner.
In allen Braustätten gab es genügend Bierdeckel und z.T. noch sonstige Werbemittel. Verschiedene Sammler, einzeln oder in Gruppen, waren stets auch noch weiter am Auskundschaften und wurden ausgiebig fündig. Dies ist gar nicht so einfach, da von Ausnahmen abgesehen, keine Bierdeckel in Gaststätten verwendet werden. Trotzdem wurde reiche Beute eingefahren und der Spitzenwert eines Sammlers lag bei sage und schreibe 210 Neuerwerbungen an Bierdeckeln!
Schließlich waren sich alle Sammler und Teilnehmer einig: Diese Reise hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!
 

 Bilder: Herbert Tatzel, Ilse Reibnitz, Torsten Ziebarth