Herbert Dopfer, München
FvB-Reise 2007 – Kultur und Hobby in Südostasien


Treffpunkt der diesjährigen FvB-Reise war der Flughafen Charles de Gaulle in Paris. Vietnam, Kambodscha und Thailand – für viele waren diese Reiseziele neu. Nach einem reibungslosen Flug mit Zwischenlandung in Bangkok kamen wir nach 14 Stunden in Ho Chi Min City (HCMC), dem früheren Saigon, an. Zuerst fiel uns der quirlige Verkehr auf – wenig Autos und Fahrräder, dafür unzählige Mopeds bzw. jegliche Art von Zweirädern, die, wie es schien, alle kreuz und quer fuhren, aber irgendwie funktionierte es immer. Es wird auf diesen Gefährten alles transportiert, was bei uns teilweise nicht in unseren Autos Platz hätte und wir auch nicht einladen würden.        Weitere Bilder

Die abwechslungsreiche Geschichte des Landes spiegelt sich im Stadtbild wider. Wir sahen Gebäude im asiatischen Stil, Bauten der französischen Epoche und moderne Hochhäuser. Auf unseren Stadtrundfahrten und –gängen an zwei Tagen konnten wir u. a. die Kathedrale Notre Dame, das Hauptpostamt, das Rathaus, die Chinatown, den Präsidentenpalast und mehrere Tempel besichtigen. Hervorzuheben sind auch die Märkte und Läden mit Obst, Gemüse, Gewürze und allerlei exotischen Früchten. Auch Besuche von Gasthausbrauereien kamen nicht zu kurz. Unter den sechs besuchten Brauereien sind besonders das Hoavien Brauhaus mit sehr gutem Bier und wohlschmeckendem Essen und die Lion Brewery hervorzuheben. Diese ist eine relativ große, im westlichen Stil eingerichtete Gasthausbrauerei, die sowohl ein hervorragendes Bier als auch Essen bietet.
Südöstlich von HCMC sorgt das riesige Mekong-Delta, das wir am zweiten Tag besuchten, für reichlich Wasser. Der „Fluss der neun Drachen“ ist einer der längsten Flüsse der Erde und entspringt im Hochland von Tibet. Auf der Fahrt ins Delta besuchten wir zwei sehr fotogene Pagoden in Long An und My Tho. Mit dem Boot ging es dann zu den Inseln Phoenix und Thoi Son. Die letztgenannte Insel ist mit schmalen Kanälen durchzogen und so konnten wir mit kleineren Booten die prächtige Natur hautnah erleben. Ebenfalls genossen wir die Gastfreundschaft der Menschen bei Tee, exotischen Früchten und Gesang. Keine Spur mehr davon, dass hier mal Kriegsgebiet war!
Am dritten Tag wurden wir vom Vinaken-Brewhouse zuerst in der etwas außerhalb Saigons gelegenen Brauerei zu einer Führung geladen, die, bedingt durch die kleineren Brau-Einrichtungen, nicht gerade ergiebig war. Anschließend durften wir in der schönen und großen Bierstube in der am Stadtrand gelegenen Zentrale die vorzüglichen drei Sorten Bier (hell bis dunkel) probieren. Mittags setzten wir dann unser Besuchsprogramm in Saigon fort.
Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Vietnam konnten wir bei der Weiterfahrt am vierten Tag nach Kambodscha sehen, die an den Tunnelanlagen von Cu Chi vorbeiführte. In diesen unterirdischen und sehr schmalen Gängen verteidigten sich die Vietcong im Vietnamkrieg gegen ihre Besatzer.
Was wird uns in Kambodscha wohl erwarten? Wir wurden schon darauf hingewiesen, dass hier vieles nur gegen Dollar zu haben ist. Das begann schon an der Grenze: Da der vietnamesische Bus nicht über die Grenze fahren durfte, mussten die Gepäckstücke mit Kofferträgern transportiert werden: Jedes Stück ein Dollar! Damit der Zollbeamte die Reisepässe zügig bearbeitet: Pro Reisepass ein Dollar und noch einer, damit wir vor einer anderen Gruppe bedient wurden! Da die meisten von uns das nicht vorgeschriebene Impfbuch nicht dabei hatten (ein Dollar), jetzt die Koffer weiter transportieren zum kambodschanischen Bus (wieder ein Dollar) – nach gut eineinhalb Stunden und fünf Dollar ärmer waren wir dann in Kambodscha.
Bald stellten wir fest, dass das Land ärmer sein muss als das aufstrebende Vietnam. Die Straßen außerhalb der Städte waren zum größten Teil nicht geteert, weiter gab es eine auffällige Anzahl bettelnder und hungriger Kinder.
Am Abend erreichten wir Phnom Penh, die Hauptstadt des Landes und des ehemaligen Khmer Reiches. Sie hat viel von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt. Die im klassischen französischen Schachbrettmuster angelegten breiten Boulevards sind von Bäumen gesäumt und vielerorts stehen noch die alten Villen aus der Kolonialzeit. Gleich am ersten Abend erlebten wir den ersten Regen der Reise, fast monsunartig.
Bei unseren Besichtigungen am fünften Tag besuchten wir zuerst das ca. zwölf Kilometer westlich von Phnom Penh in friedlich wirkenden Reisfeldern gelegene, berüchtigte Choeung Ek, eines von mehreren „Killing Fields“. Alleine hier, vermutet man, dass mind. 17.000 Menschen, von ca. 2 Mill. Opfer in der eigenen Bevölkerung, von den Roten Khmer unter Pol Pot umgebracht wurden. Ein trauriger Ort und eine traurige Vergangenheit, die unser Fremdenführer durch eigenes Erleben recht anschaulich schildern konnte.
Anschließend sahen wir das Befreiungsdenkmal und Nationalmuseum, die Wat Phnom-Pagode und den Königspalast mit Silberpagode, was sich uns alles in bestem Zustand präsentierte.
Das Flussufer des Tonle Sap säumt eine ca. zwei Kilometer lange Promenade mit vielen Geschäften und Restaurants. Ein angenehmer Platz zum Entspannen und das Vorbeiziehende auf sich wirken zu lassen. Macht uns jetzt die Hitze, das schwüle Klima oder das wohlschmeckende Bier zu schaffen oder kommt uns hier wirklich ein Elefant entgegen? Gott sei Dank, es ist ein Elefant! In den Seitenstraßen streiften wir durch einen einheimischen Markt, auf den wohl selten Touristen kommen. Alle Gerüche dieser Erde sowie eine mitreißende Atmosphäre bekamen wir zu spüren. Auf der Weiterfahrt am nächsten Tag nach Siam Reap, der zu Angkor Wat gehörenden Stadt mit den entsprechenden großen Hotelanlagen, wollte sich der Bus, wie wir schon beim ersten Einsteigen befürchteten und durch die holprigen Straßen noch beschleunigt, auf einmal nicht mehr bewegen. Zum Glück passierte dies in einer kleineren Ortschaft, wo sofort auch Helfer zur Stelle waren. Die drei Stunden Wartezeit waren für uns doch recht kurzweilig, da es viel zu beobachten gab. So war gerade Markt mit entsprechendem Geschehen (Fleisch- und Fischverkauf im Freien bei großer Wärme, Essenzubereiten u.ä.), auch Zuschauen beim Mopedreparieren war recht interessant. Während dieser Zeit sah man die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die uns ohne große sprachliche Verständigung Sitze im Schatten und bedarfsweise Toiletten zur Verfügung stellte. Ein schönes Erlebnis, das man nicht auf jeder Reise geboten bekommt!
Letztlich musste, da alles Bemühen um den Bus umsonst war und er sich einfach nicht mehr bewegen wollte, ein anderer Bus angefordert werden.
Der touristische Höhepunkt der Reise war die Besichtigung der Tempelanlagen von Angkor Wat (weltweit die größten Sakralbauten), Angkor Thom und Ta Prohm. Auf einer Fläche von mehr als 300 km
2 verstreut sind die Bauwerke in dicht bewaldetes Gebiet eingebettet, die heute zum Weltkulturerbe zählen. Um die noch rund tausend steinernen Monumente, die zwischen dem 9. und 16. Jh. von den Khmer-Königen erbaut wurden, zu besichtigen, müsste man einige Wochen dort verbringen. Da uns aber nur ein Tag dafür zur Verfügung stand, konnten wir auch nur die bedeutendsten anschauen. Schon das Südtor von Angkor Thom, von riesigen steinernen Gesichtern gekrönt, faszinierte uns. Weiter ging es an den unterschiedlichsten Heiligtümern, Vorkammern, Galerien und Türmen vorbei. Die Verschiedenheit der Anlagen zeigte sich in Ta Prohm, dem Dschungeltempel. Er ist naturbelassen, deshalb umklammern mächtige Wurzeln von Feigen-, Banyan- und Kapokbäumen die Terrassen und Mauern oder bohren sich durch Spalten in den Steinblöcken. Ein Paradies für Fotografen!
Das Wahrzeichen von Kambodscha ist der Tempel von Angkor Wat. Der erste Anblick mit den fünf grandiosen maiskolbenförmigen Türmen übertrifft jede Erwartung. Einige Sportliche von uns bestiegen die sehr steilen, ca. 20 m hohen Treppen zum Fuß des 65 Meter hohen Mittelturms.
Die Stadt Siem Reap, mit ca. 120.000 Einwohnern die viertgrößte des Landes, bot uns neben mehreren Marktstraßen auch ein paar Restaurantstraßen, wo wir wieder etwas für unser Hobby tun konnten. Am nächsten Tag folgte der abenteuerliche Höhepunkt unserer Reise, die 170 Kilometer lange Strecke von Siem Reap an die thailändische Grenze, zu der wir über sechs Stunden benötigten. Warum? In der Nacht und auch noch an diesem Tag gab uns ausgiebiger Regen immer wieder eine Vorstellung von einer Lehmpiste, denn diese „Straße“ hat noch nie Teer gesehen und ist kaum mit mehr als 30 km/h zu befahren. Aber ein Lob an unsere Fahrer (dem Bus folgte noch ein Kleinbus mit unseren Koffern), sie haben es meisterlich bewältigt. Aber das war noch nicht alles. Am Umladeplatz (der Bus darf nicht nach Thailand fahren) stand das Wasser kniehoch. Dieses Erlebnis und der Übertritt waren uns nochmals drei Stunden an der Grenze bei strömendem Regen wert. Als diese überschritten war, bekamen wir eher den Eindruck, dass wir in ein „westliches“ Land fuhren. Es war auf einmal alles viel gepflegter und auch geordneter auf den Straßen. Nun war auch etwas Erholung angesagt. Das südlich von Pattaya in Jomtien gelegene Hotel ist sehr schön in herrlich blühende Landschaft eingebettet. Der Golf von Siam war total ruhig und das Wasser fast so warm wie die Badewanne zu Hause. Wer Lust hatte, konnte mit dem hoteleigenen Bus oder Taxi nach Pattaya fahren. Hier tobt das Leben, hier weiß man, wo die Sünde zu Hause ist. Trotz der vielen offenen Kneipen konnten wir aber nicht viel für unser Hobby tun. Es lagen sehr selten Bierdeckel aus. Ausnahme war das sehr schön eingerichtete „Hopf Brew House“ (Stammhaus ist die Brauerei Hopf in Miesbach), wo das Bier nach einem Stadtrundgang sehr gut schmeckte.
Unsere letzte Station war nun Bangkok. Ältere asiatische Gebäude und gigantische Hochhäuser prägen das Stadtbild. Neben der Besichtigung des Königspalastes mit dem Smaragd-Buddha machten wir noch eine sehr interessante Fluss- und Kanalfahrt auf dem Chao Phraya River. Zufällig kamen wir noch an den Schwarzwaldstuben „Bei Otto“ vorbei. Hier gab es nur deutsche Speisen und Getränke, serviert von Thailänderinnen im Dirndl. Im Londoner Brew Pub sorgten freundliche Bedienungen und eine Liveband für gute Stimmung.
Zum Fazit der Reise fallen mir noch ein paar Dinge ein: Unsere Reise verlief sehr harmonisch. Die Menschen begegneten uns mit ihrer asiatischen sehr freundlichen und zuvorkommenden Art. Wir sahen drei ziemlich unterschiedliche Länder, obwohl sie geografisch direkt benachbart sind. Die Temperaturen kletterten jeden Tag auf fast 35°C, an einigen Tagen sogar noch darüber (bis max. 38°C ). Das schwüle Klima brachte uns täglich zum Schwitzen, aber bald hatte man sich einigermaßen daran gewöhnt.
Unsere drei Reiseführer waren sehr kompetent und immer hilfsbereit. Das teilweise fremdartige Essen schmeckte meistens hervorragend. Einen Dank möchten wir an die Brauereien aussprechen, die uns mit Werbemitteln unterstützt haben.
Dank auch der hervorragenden Organisation, die Auswahl der Hotels und Besichtigungen durch unseren Reiseleiter Volker Petri und der tatkräftigen Unterstützung von Frau Monika Bischof. Es war eine Reise, von der wir noch lange zehren und schwärmen können.
 

Zu den Bildern